Kreuzbär

Die Getränkegattung „Fassbrause“ hat in den letzten Jahren deutlich an Bekanntheit und Verbreitung zugelegt. Eigentlich ist Fassbrause ja eine Berliner Limonade, die wie eine Apfelschorle mit karamellig-malzigen Bestandteilen schmeckt. In dieser Form trinkt man sie überwiegend in Berlin und Brandenburg. Diese Fassbrause enthält weder Alkohol noch Koffein.

Seit 2009 hat die Zahl an Fassbrausen zugenommen: Verschiedene Großbrauereien bietean unter diesem Namen Mischgetränke an, die sich irgendwo zwischen Bionade und Radler einordnen lassen. Mal wird Limonade mit Malzextrakt gemischt, mal mit alkoholfreiem Bier. Einige davon schmecken sogar richtig gut, auch wenn man sich fragt, warum die Brauereien immer nur neue bunte Getränke erfinden, anstelle (wie beispielsweise in den USA) zu erkennen, welche interessanten Biersorten man aus Hopfen und Malz eigentlich alles machen kann. Aber das ist ein Thema für andere Getränkeblogs.

Mit der Berliner Fassbrause haben diese neuen Getränke aber nichts zu tun. Ganz im Gegensatz zum Kreuzberger Eigengewächs namens Kreuzbär: Die schmeckt, wie Fassbrause schmecken soll und taugt dabei sogar als Hacker_innenbrause, es ist nämlich Koffein drin. Wie viel, das steht leider nicht auf der sympathischen, proletarischen 0,33-l-Knolle mit dem Berliner Bär auf dem Label. Darin steckt neben Wasser und braunem Rohrohrzucker noch Zitronen- und Apfelsaftkonzentrat, Gerstenmalz- und Süßholzwurzelextrakt, Kräuteraroma, Kohlensäure und, wie gesagt, Koffein. Das sei nach dem „Originalrezept von 1908“, erfunden vom Chemiker Ludwig Scholvien, wie Wikipedia weiß.

Kreuzbär schmeckt. Wie eine Berliner Fassbrause eben. Ein bisschen weniger süß als die Fassbrausen von Spreequell und Rixdorfer und vor allem ohne den leichten Plastikgeschmack der in PET-Flaschen vertriebenen Massenbrausen. Das enthaltene Koffein haut natürlich nicht so rein wie bei Club Mate und Co., macht sich aber angenehm am frühen Montagmorgen in einem ICE aus Berlin heraus bemerkbar. Und man kommt mit der Sitznachbarin ins Gespräch, wenn man proaktiv erklärt, sich gerade natürlich kein Bierchen geöffnet zu haben.

Gefunden im Kühlschrank eines anderen Koffeinfreunds: Dem empfehlenswerten Café 9 in der Markthalle Neun in Kreuzberg 36.

Metamate

Gestern bin ich spontan in der Meta Mate gelandet und durfte sogleich beim Eintüten frischer Mate und beim Etikettieren von hellem und dunklem Mier mithelfen, wovon ich als Dankeschön fürs Mithelfen auch eine Tüte mit nach hause nehmen und eine Flasche trinken durfte. Als ausgewiesene Hackerbrausen-Expertin durfte ich auch meinen Senf zu einer experimentellen Matelimonade abgeben.

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halal

Hier trifft sich also muslimische Tradition mit der westlich verorteten Leistungs- und Partykultur: Wo, wenn nicht in Kreuzberg lässt sich ein so wunderbares kuturelles Mashup finden wie ein Energy-Drink namens halal. Das zertifiziertermaßen nach islamischem Recht gestattete Getränk wird in der Schweiz produziert und ist derzeit in mehreren Berliner Spätis zu bekommen. halal weiterlesen

Der Tschunk-Rächer: El Vengador Mate-Chunk

Es war auf der letzten Gartenparty dieses Jahr, an der man noch lange ohne viel zu frieren nachts draußen sitzen konnte. Da wurde mir eine Flasche eines völlig unbekannten Getränks überreicht, das sich als alkoholhaltiges Koffeingetränk herausstellte. Dazu der in der Hacker-Szene vermutlich am weitesten verbreitete Cocktail: der Tschunk oder Chunk (je nach Gusto). Wohlwollend nahm ich das Getränk entgegen und testete es auf seine Tauglichkeit.

Persönlich bin ich ein Liebhaber von Tschunks mit Textur – die Limetten müssen in guter Zahl vorhanden sein und der Rohrzucker muss beim Schlürfen durch den Strohhalm knistern. Der “El Vengador Mate-Chunk” hat beides nicht: keine Limetten und keinen Zucker. Und die Mate ist auch keine Club-Mate, sondern eine Eigenproduktion. Dieser wird ein Schluck weißer Rum hinzugefügt und in Flaschen abgefüllt unter das Volk gebracht. Es schmeckt nach bitterer Mate und – ehrlich gesagt – billigem Fusel.

Klickt man sich durch die mit Rechtschreibfehlern gespickte Flash-Webseite (Achtung: Sound-Effekte) dieses Getränks, erfährt man ein wenig über den Hintergrund. Der “Rächer” stammt aus Berlin-Neukölln und die Produzenten waren nach deren eigener Angabe von der Tschunk-Zubereitung in nicht-nüchterndem Zustand überfordert – wenn man schon den Tschunk nicht mehr zubereitet kriegt, sollte man mit dem Verzehr aufhören. Also musste ein Fertiggetränk her, was sich – rein zufällig – in verschlossenen 250ml Flaschen unter das Volk bringen lässt. Ganz nebenbei müssen im Gegensatz zu einem handproduzierten Tschunk keine besonderen Auflagen von Seiten des Ordnungsamtes für den offenen Ausschank erfüllt werden.

Im Handel gibt es den El Vengador Mate-Chunk seit “diesem Herbst”, womit 2011 gemeint ist. Drin enthalten sind die eigene Mate mit stattlichen 24mg Koffein auf 100ml und 25% Rum, was 10% vol. Alkohol auf die ganze Flasche ausmacht. Auf deren Twitter-Stream war nur zwischen Mitte September und Ende Oktober etwas los. Aktuell ist es unklar, ob es El Vengador noch gibt oder ob der Rächer erst zur nächsten sommerlichen Hauptstadtpartysaison in (wie bereits angekündigt) veränderter Rezeptur wieder auf den Markt schlägt.

Zum Abschluss ein Zitat von deren Webseite zur Geschichte des Tschunk:

Der originale „TSCHUNK“ ist ein amtlicher Cocktail auf CLUB-M*** Basis mit Rum, Limetten und einer Menge Zucker, eine Art „modifizierter Caipirinha“ also, der mit der steigenden Popularitaet dieser (wirklich sehr guten!) MATE-LIMO Einzug in deutsche Hackerstuben hiel – Mittel-franken (das ist da wo oben erwaehnte Limonade wohnt) meets Brasil in front of a Computer-Display, so zu sagen. Auf einschlaegigen Conventions und Events wurde der TSCHUNK neben CLUB-M*** pur in Grossmengen schnell zum Hausgetraenk der Szene – ALKOHOL & KOFFEIN, say no more …

Kaffeerösterei Cream

Heute gibt es – quasi vorerst als Abschluss unserer Berlin-Serie – noch eine schicke Kaffeerösterei. Im Kreuzberger Wrangelkiez existiert in der Schlesische Strasse 6 unweit der Oberbaumbrücke seit etwa zehn Jahren die Kaffeerösterei Cream. Das geräumige Café mit weiteren Sitzplätzen vor dem Haus macht auf den ersten Blick nicht den Eindruck, dass im Haus geröstet wird. Aber hinten durch im nicht zugänglichen Bereich steht eine Röstmaschine. Aktuell wird im vierzehntägigen Rhythmus immer wieder anderer Kaffee geröstet, da sich die Lagerung von „ungenutzten“ Sorten nicht rentiert. Die aktuelle Röstung steht draußen am Eingang angeschlagen.

Der Espresso wird in einer handgefertigten, rein mechanischen Siebträgermaschine hergestellt. O-Ton des Barista: „Die kriege ich in einer halben Stunde komplett zerlegt und wieder zusammengesetzt.“ Der heutige äthiopische Kaffee war sehr fruchtig mild, im Geschmack recht nahe an einer Note Zimt, aber alles in allem ordentlich gut.

Zu empfehlen ist dort auch das Frühstück . Neben vielen Sorten leckerer, belegter Bagels gibt es diverse Frühstücke mit reichlich Obst. Nachmittags darf es dann auch gerne mal ein Stück Kuchen sein.

Bei unserem Besuch wird der Barista uns vermutlich als „Restauranttester“ verdächtigt haben. Denn zwei Personen, die schon beim betreten Fotos machen, Fragen zum Kaffee, zur Röstung und zur Espressomaschine stellen, zwischendurch Notizen machen und auf dem Telefon rumklicken, sind schon irgendwie suspekt… Die Bedienung war außerordentlich gut.

(Artikelbild von nylki unter CC-by-nc-sa/2.0)

Bonanza Coffee Heroes

Da seit heute die re:publica 2011 stattfindet, beginne ich die Serie über Röstereien mit der wohl inzwischen bekanntesten Rösterei in Berlin: Bonanza Coffee Heroes. Ein kleines, fast schon unscheinbares Ladenlokal in Berlins Neuschwabenland Prenzlauer Berg, der Oderberger Str. 35. Aktuell befindet sich eine Baustelle vor dem Haus, weshalb der Eingang noch schwerer zu erkennen ist.

Innen wird sich voll auf den Kaffee konzentriert. Die Ausstattung ist sehr schlicht, denn sie besteht neben zwei Röstmaschinen (dem Hacker mag das daran befestigte Multimeter mit Temperatursensor direkt auffallen) nur noch aus einer handgefertigten Synesso Espressomaschine, ein paar Holzbänken und -tischen und etwas Regalstauraum. Auf das Weißeln der Wände wurde verzichtet, um das Auge voll und ganz auf die Röstmaschinen zu lenken.

Der für 1,80€ erhältliche Espresso der „Hausmarke“ ist geschmacklich recht mild, aber dafür sehr würzig. Er ist keine „bittere Dröhnung“, wie man es von manchen anderen Röstereien her kennt. Die für den Prenzlauer Berg bekannten Kaffee-Milch-Mixgetränke gibt es hier ebenso, kredenzt mit liebevoll gestaltetem Latte Art. Kaffeebohnen zum Mitnehmen sind in Tütengrößen ab 250g und einem Preis ab etwa 7,50€ aufwärts erhältlich. Beliebt ist vor allem der „Bonanza Milk Blend“

Ein Ort für den längeren Aufenthalt ist diese Rösterei eher nicht, aber hier kann man sich mit vielen verschiedenen und auf jeden Fall guten Bohnen eindecken. Übrigens, der bereits im vorigen Artikel vorgestellte Podcast CRE119 zu Kaffee wurde mit der Besitzerin der Bonanza Coffee Roasters aufgenommen.

(Artikelbild von Henrik Ahlen unter CC-by-nc-sa/2.0)