Байкал

Mit bislang keine Wort erwähnt haben wir die trendige Tannenbrause Wostok, die schon seit längerem durch die Berliner Spätis geistert. Der Grund ist einfach: Kein Koffein. Auch das Original, die sowjetische Limonade namens Байкал (Baikal) steht nicht im Ruf besonders wach zu machen, aber immerhin durch allerhand unübliche Zutaten das Gemüt zu heben. 

Schwer zu sagen, ob die braune Brause tatsächlich noch dem Rezept aus Sowjetzeiten entspricht. Zutaten wie die auch als Droge verwendbare Borstige Taigawurzel, Johanniskraut, Süßholz, Eukalyptus, Lorbeer, Schwarztee und Kardamon klingen zumindest interessant. Der Geschmack ist süß-herb-würzig-krautig, vollmundig und durchaus lecker. Die Hipster-Nachmache auch Berlin geht geschmacklich zwar in eine ähnliche Richtung, kommt aber nicht ganz ran.

Der Hackerbrausen-Appeal steckt eher im Detail, mit interessanten Zutaten das eigene Wohlbefinden zu optimieren ist wohl spätestens seit Guarana und Mate in der Hackerbrausenkultur angelegt. Eine signifikante psychoaktive Wirkung war aber leider nicht zu verspüren. Beim Gedanken an die Wachmachqualitäten fühle ich mich an einen Seyfried-Comic erinnert, in dem potemkinsche Schneelandschaften aus Kokain angelegt werden, weil die Menschen in der Sowjetunion kein Interesse an dessen antriebssteigernder Eigenschaft haben und lieber schläfrig machenden Vodka trinken.

Immerhin wurde das 1973 vom sowjetischen Staatsinstitut für nichtalkoholische Getränke, Bierbraukunst und Weinbau der Akademie der Landwirtschaft erfundene Baikal zu den Olympischen Spielen 1980 in Moskau als Alternative zu Pepsi positioniert.

Zu bekommen scheint die Kräuterbrause hier leider nicht zu sein, auch wenn es sich vielleicht lohnt, russische Spezialitätengeschäfte zu durchstöbern. Wer eine Bezugsquelle kennt, möge sich doch bitte in den Kommentaren melden.

Vielen Dank an Simon fürs Mitbringen und Zuschicken!

3 Gedanken zu „Байкал“

  1. Doch!
    In vielen Russischen Läden kann man Байкал (Baikal) kaufen. Fast immer in der 2-Liter PET-Flasche. Wenigstens hier in Berlin problemlos.
    Das Rezept von Wostok entspricht weitestgehend dem des Originals, allerdings musste Johanniskraut raus, weil dies in Deutschland keine erlaubte Zutat ist.
    Außerdem wurde die Zuckermenge deutlich reduziert (dadurch wirkt Байкал vielleicht auch „vollmundiger“ – Zucker ist ja Geschmacksträger), und die Farbe wurde etwas heller gehalten um Verwechslungen mit Cola zu vermeiden.
    Dafür ist der Taigawurzel (Eleuthorococcus) geblieben!

    Stimmt: Wostok hält nicht wach und hat somit beschränktes Hackerpotenzial ))
    Lässt sich aber prima alkoholisieren.

    Ob es „ganz ran kommt“ oder nicht ist natürlich Geschmacksache – wir kennen so ein paar Leute, die das Gegenteil behaupten ))
    Ein direkter Vergleich zwischen Wostok und dem Zeug aus den Russischen Läden ist auf jeden Fall mit beschränktem Investitionsaufwand möglich ;)

  2. Wostok gibt’s im Kaiser’s … jedenfalls hier in Berlin F’Hain (Landsberger Ecke Petersburger).

    Schmeckt gut, aber auch ziemlich süß (was mich etwas verunsichert, ob Wostok nicht ne taugliche Alternative zur Cola wäre). Geschmacklich erinnerts irgendwie an Pfefferminzschnaps ohne Alk.

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